Es waren seit dem Treffen von Tel’Aran und Deedlit zwei Tage vergangen. Er blickte in die Dämmerung der Morgensonne und war sich sicher, dass heute ein schöner Tag werden würde. Die letzten Gegenständen warf er geschmeidig in den kleinen Karren und packte sich einen gutgefüllten Beutel voller Gold. Kralia war eine gute Stunde von seinem Haus und Schmiede entfernt. Er würde gerade zur rechten Zeit in der Stadt ankommen. Zum Glück war der Weg mehrheitlich bergabwärts und somit nicht beschwerlich.

„Ah Tel’Aran auf dem Weg zur Stadt?“, sprach ein Bauer, der gerade auf sein Feld ging. „Hallo Refron. Ja ich bin gerade auf den Weg zur Stadt. Deedlit hatte mir erzählt, dass einige von euch verzweifelt neue Werkzeuge brauchen. Es wäre eine Schande, wenn eure Ernten, wegen meiner Abwesenheit, misslungen würden.“, erwiderte Tel’Aran mit einem leichten grinsen. „Gut, dann werde ich heute früher aufhören. Leg ein komplettes Set ein an Bauernwerkzeug für mich bei Seite.“, antwortete Refron und Tel’Aran erwiderte dies mit einem Nicken und zog weiter zur Stadt.

 

Die Stadt lag an der Küste. Kralia war ein friedlicher Ort und hatte sehr viel Wohlstand. Es war eine Handelstadt, welche in die Tiefen des Kontinentes bekannt war. Viele Kulturen und Wesen lebten hier. Trotz allem herrschte das Volk der Elfen und die Architektur dementsprechend geprägt wurde. Das Gesetz war streng und das Volk von Brittania konnte sich behaupten und bekam die Erlaubnis sich nahe Kralia anzusiedeln. Dies alles war nur durch Tel’Aran möglich, was er gerne immer wieder vergessen wollte.

 

Wie geplant, erreichte der Elf den Markt zur rechten Zeit. Er reservierte sich einen Stand, welcher an der Stadtschmiede lag. Nach wenigen Handgriffen hatte er seine Waren aufgetischt. Danach ging er zu dem nahe gelegenen Laden, wo er vor mehr als drei Wochen den Tisch umgestossen hatte. „Guten Morgen Fren. Es tut mir leid wegen dem Vorfall mit dem Tisch.“, begann Tel’Aran das Gespräch und schritt zur Besitzerin, „Ich schätze zehn Goldstücke sollten als Entschädigung reichen.“, sprach der Elf weiter und wollte den Beutel bereits öffnen. „Lass es sein mein Freund. Ich verstehe deine Reaktion damals nur zu gut. Weiter wären die Waren und der Tisch nicht einmal ein Goldstück wert. Wenn du etwas als Entschuldigung anbieten möchtest, dann tue es mit einer guten Schere. Ich kann eine neue gebrauchen.“. Der Elf lächelte und nickte anschliessend. Er ging kurz zu seinem Stand und nahm eine Schere vom Tisch und brachte diese der Besitzerin. Nachdem dieser Vorfall geklärt worden war, eilte der Elf zu seinem Stand. Bald würden die Leute kommen. Es gab einige Schmiedmeister, aber Tel’Aran hatte eine besondere Kunst von Noverus gelernt, die sehr beliebt war.

 

Die Leute scharten sich ständig um den Stand von Tel’Aran. Natürlich gab es diverse andere Stände, die schnell gut besucht waren. Der Markt war weit bekannt und fand nur einmal die Woche statt. Viele fahrende Leute besuchten von weit her Kralia und boten diverse Waren an. Es ist immer wieder ein Schauspiel. Die Stadtbewohner bekamen spezielle Lizenzen für Stände und Tel’Aran konnte davon profitieren. Er hatte alle Hände voll zu tun und die wenigsten wollten wirklich gross um einen Preis feilschen.

 

Als der Ansturm vorüber war, nahm er sich die Zeit und ging er zum Materialhändler. „Hallo Tel’Aran, brauchst mal wieder neues Material?“, sprach der stämmige Mensch. „Zum Grusse Peter. Ja ich brauche das übliche, aber auch einige besondere Metalle. Ich suche ein Metal, dass Geschmeidig wie Gold ist, jedoch hart wie Stahl sein kann. Ich brauch nicht viel. Es muss nur für eine Kette reichen.“, antwortete der Elf. Peter, welcher für einen Menschen sehr gross war und beinahe an Tel’Aran ranreichte, grübelte eine Weile. Er ging in einen kleinen Raum, welches sein Lager darstellte. Nach einiger Zeit kam er raus und hielt ein kleines silbernes Stück Metall in seinen Händen. „Ich weiss, was du denkst Tel’Aran. Es ist kein Silber. Das Metall nennt sich Mithrill und ein fahrender Zwerg gab mit diesen kleinen Barren. Es muss etwa zur selben Hitze wie Stahl geschmiedet werden. Ich weiss den genauen Wert nicht, aber es ist sehr selten und ich werde dir trotz allem einen Fairen Preis anbieten.“, erläuterte Peter und gab das kleine Metall an Tel’Aran. Er hielt es eine Weile und musterte die Struktur und Festigkeit. Er griff an einen Goldbeutel und überreicht den ganzen an den Händler. „Ich schätze diese knapp 200 Goldstücke sollten für das Metall und meine übliche Monatsmenge an normalen Metallen abdecken.“, antwortete Tel’Aran und sah den überraschten Blick. Er hatte am heutigen Tag fast 400 Goldstücke erwirtschaftet und ihm war es wert, dass er in der Kette ein Metall verarbeiten kann, dass sonst nirgends erhältlich ist. „Achja, Peter, hast du zufällig auch noch einen schönen Rubin oder Smaragd?“ Peter grübelte und war ziemlich schnell aus seinem Lager. Es war ein Blauer Smaragd. Die Konturen waren sanft und sauber. Bevor Tel’Aran überhaupt fragen konnte, winkte Peter mit der Hand. „Es ist schon gut, ich ahne, was du vor hast und in dem Fall ist der Smaragd ein Geschenk von mir.“. Tel’Aran konnte keinen Widerspruch einlegen.

 

Refron war der letzte Kunde, der noch die reservierten Waren kaufte. Tel’Aran war zufrieden und überrascht. Alle seine Waren wurden verkauft und er musste sogar einige Bestellungen  entgegen nehmen. Er hatte sich jedoch genug zeit gelassen, damit er zuerst einmal die Kette fertig stellen konnte. Er packte seine wenigen Gegenstände und die gekauften Materialien in den Karren und ging nach Hause.

 

Erschöpft kam er nach Hause und blickte zuerst um sich. Er musste etwas essen, bevor er sich um die Kette und die Bestellungen kümmern konnte. Er hatte in den Pausen heute einige Waren eingekauft und würde heute wohl etwas Reis mit diversem Gemüse verspeisen. Er kochte nicht regelmässig, aber nahm sich viel Zeit.

 

Plötzlich klopfte es an der Türe. Wer wollte so spät noch etwas von ihm. „Wer ist da?“ fragte er routiniert. „Hallo Tel’Aran, ich bin es Andris Verian.“, erklang es von draussen. Das war der Sohn Stadtrates Kelrond Verian. Stellvertretende Stadtverantwortlicher und sehr angesehener Mann. „Die Tür ist offen.“, erwiderte Tel’Aran trocken. Andris zögerte kurz und trat hinein. Er musterte kurz den Raum. „Verzeih, wenn ich so spät in dein Haus eindringe“, begann der Elf, der etwas älter als Tel’Aran zu sein schien, „Aber ich wollte mit dir etwas besprechen, dass wohl für uns beide sehr wichtig ist.“ Tel’Aran legte das gerade gereinigte Geschirr beiseite und blickte zu Andris. Einige Sekunden verstrichen als der baldige Ehemann begann. „Ich weiss von meinem Vater, welchen Status für viele von deinem Volk hast und ich wollte dich schon seit langem kennen lernen. Ich hoffte jedoch einen anderen Anlass für ein Treffen, als das nun eingetroffene.“. Er hielt kurz inne und blickte traurig und sprach weiter, „Deedlit. Eine bezaubernde Elfe. Ich verliebte mich schnell in ihr. Leider erwiderte sie niemals annähernd meine Gefühle. Wenn ich euch nun so sehe, verstehe ich auch warum. Die Heirat wurde arrangiert, das ist nicht zu leugnen.“, erblickte kurz zu Tel’Aran und danach in den Raum. „Du weißt es vielleicht noch nicht, aber ich habe versucht Deedlit klar zu machen, dass Ihre Zukunft bei dir besser wäre, als bei einem einsamen Elfen, der sich vor fast allem drückt.“, erwiderte der Elf lächelnd dem Gast. Andris blickte kurz verwirrt und fasste sich wieder, „Es mag seltsam klingen, was ich fragen wollte. Du bist nicht ihr Vater, aber würdest du dich gegen mich stellen, würde Deedlit mit dir durchbrennen. Wenn ich deine Aussage nun verstehe, würdest du mir sozusagen deinen Segen geben?“. Tel’Aran lachte kurz laut aus, „Du hast erfasst. Ich bin nicht ihr Vater und würde als letztes mich in die Angelegenheiten zweier Familien einmischen. Deedlit entscheidet selber, was sie will und auch ich könnte nichts daran ändern. Du hättest nicht deswegen kommen müssen, weil ich nur das Beste für Deedlit wünsche. Ich gebe dir meinen ‚Segen’, wenn du mir ein Versprechen machst.“ „Und der wäre?“, fragte Andris nach. „Du wirst Sie glücklich machen. Sie soll am besten mich vergessen und das Leben mit dir akzeptieren und geniessen.“, war die knappe Antwort. Andris blickte kurz verwirrt. Beide sassen noch eine weile und diskutierten über diverse anderen Dinge. Der Gastgeber hatte einige Früchte angeboten und einen guten Traubensaft. Das Anfangsthema wurde nicht mehr aufgegriffen und ein stilles Einkommen war besiegelt. Die Sonne ging bereits unter. Andris stand auf und blickte zum Sonnenuntergang. „Danke für die nette Gastfreundschaft und den interessanten Geschichten. Ich muss nun leider wieder zurück. Es gibt einiges zu tun und ich werde unser Versprechen nicht vergessen. Ich werde alles arrangieren, dass du eine offizielle Einladung zur Hochzeit erhältst. Auf bald.“ Die beiden verabschiedeten sich noch und der ältere Elf ging den Pfad hinunter in die Stadt. Tel’Aran konnte nun endgültig seine Emotionen freien lauf lassen und weinte vor sich hin. Wieso musste man ihm das ganze so schwer machen. Er musste nun zum zweiten Mal seine Gefühle leugnen, damit Deedlit ein würdiges Leben erhielt. Auch wenn Tel’Aran ein grosses vermögen hatte, wusste er nur zu gut, dass es kein gutes Leben für Deedlit wäre. Er fasste sich nach knapp einer Stunde wieder und entschloss sich um die Kette und der Bestellungen zu kümmern. Er nahm seinen Karren und ging in den Schuppen. Er wollte die Kette um jeden Preis rechtzeitig fertig stellen.