Tel’Aran war noch etwas aufgewühlt und konnte nicht wirklich gut schlafen. Nach dem Frühstück wurde er wieder in den Raum von gestern gebeten. Diesmal befanden sich mehr Leute in dem Raum. Zwei der Stadträte, einer davon Andris Vater, ein Richtmagier, Somone, der Stadthalter und vermutlich die Mutter von Somone. Er hatte ein ungutes Gefühl und wusste noch immer nicht, was los war.

„Guten Morgen Tel’Aran. Ich weiss, du möchtest dringend zu Deedlit und Sie wird sich bestimmt freuen, wenn sie dich mit eigenen Augen sehen kann.“ Begrüsste der Stadtrat und Andris Vater freundlich den Elfen. „Wir waren an der Stelle, welche Frau Eisglanz beschrieb und es handelt sich um eine Eiche. Die Eiche bestätigte uns, dass sie mit dem Elfen Tel’Aran Rhiod einen Lebensbund geschlossen hat.“, sprach der Richtmagier. Tel’Aran blickte noch immer verwirrt und ergriff das Wort:  „Ich bitte endlich um eine Aufklärung meine Herren. Ich wollte in die Berge und etwas meine Sinne sammeln. Ich will endlich wissen, was ich getan habe, dass so ein Aufstand um mich getrieben wird! Ich wusste nichts von einem Lebensbund und ich habe zu keinem solchen Bund eingewilligt!“. „Das hat die Eiche auch bestätigt. Sie beschloss von alleine mit dir diesen Bund einzugehen. So etwas geschieht sehr selten und es ist eigentlich eine grosse Ehre, wenn ein Elf durch einen Baum gewählt wurde.“, begann der zweite Stadtrat zu erklären. „Aber?“, hakte Tel’Aran etwas zynisch nach. „Aber ein Elf, welcher nicht von unserem Ursprung entstammt dürfte gar nicht würdig sein, dass ein Baum ihn beachtet und es ist sogar üblich, dass solche Elfen die Bäume gar nicht hören können.“ Erwiderte der Stadtrat. „Ich verstehe diesen Aufstand noch immer nicht.“, sprach Tel’Aran aus und blickte in die Runde, „Wenn der Baum euch bestätigte, dass er dies getan hat und nicht ich, dann kann ich doch für nichts Schuldig gemacht werden?“. „Es ist meine Schuld, Herr Rhiod“, begann Somone zu sprechen, „Ich habe euch bei einem Lebensbaum gefunden und …“, der Vater deutet wieder darauf hin, dass sie schweigen sollte.

„Es wird Zeit, dass du die ganze Geschichte erfährst und auch die damit verbundenen Traditionen.“, begann der Stadthalter mit seinem Vortrag.

<< Lebensbäume

Die Tradition der Lebensbäume ist sehr alt und hat in unserer Regierung eine grosse Bedeutung. Die Bäume sind für uns Statussymbole und haben für die Elfen besondere Kräfte. Erinnerungen und Gefühle können in den Bäumen gesammelt werden. Es gibt sogar Mythen, dass Elfen ihre ganze Persönlichkeit durch den Baum aufnehmen lassen.

Man kann somit die Bäume als eine Art Chronik der Familien ansehen. Diese gesammelte Essenz der Familie findet sich auch in den Samen der Bäume wieder. Die Bäume werden nicht nur wesentlich Älter und grösser als ihre normalen Artgenossen. Sie werden ein Sammelpunkt von Familien und von Ereignissen. Jeder Elf der Familie kehrt am Ende seines Lebens zu einem Lebensbaum der Familie zurück.

 

Ein Elf muss in der Regel einen Baum bitten, dieses Bündnis einzugehen. Für einen Baum ist dieses Bündnis eine schwerwiegende Entscheidung.

 

Der Baum trägt die Bürden der Familie. Hass, Trauer, Zweifel und Sehnsucht werden ebenso in den Baum verfestigt. Ein Baum ändert das Aussehen an den Erinnerungen der Familie und des Elfen, der gerade unter dem Baum steht. Je schöner ein Baum, desto reiner und edler ist der Elf oder die Familie. Die anderen Elfen können gewisse Dinge vom Baum erfahren und in manchen Fällen ist der Baum entscheidend für die Vergabe eines Postens.

 

Der Besitz eines oder mehrere Lebensbäumen ist somit ein sehr wertvoller Status und nur die wenigsten Elfen besitzen diesen.

Neben all dem Status bezogenen Themen gibt es auch eine Tradition, welche fast solange wie das Bündnis selbst existiert.

 

Da der Baum sein Aussehen an der Seele des unter ihm liegenden Elfen anpasst. Wird diese Fertigkeit auch manchmal zur Findung eines Seelenpartners gesucht. Solange der Elf unter dem Lebensbaum liegt, wird er durch den Baum ernährt und am Leben erhalten. Es ist somit durchaus möglich, dass ein Elf bis zu einem Jahr in einer Trance unter dem Baum liegt. Sollte jemand, in der Regel ein Elf anderen Geschlechtes, den schlafenden Elf finden und aufwecken, besagt die Tradition ein Seelenbündnis hervor. Diese Begründung liegt in dem Ursprung des Aussehens. Ein Elf wird vielleicht durch das Aussehen des Baumes angezogen und findet so, den Ursprung dessen. Der Baum wird sozusagen missbraucht um einen Seelenpartner zu finden.

 

Diese Tradition ist sogar soweit in unserer Gesellschaft verankert, dass es als eine Beleidigung angesehen wird, wenn man dieser nicht nachgeht. Es ist somit ein ungeschriebenes Gesetz, dass man die Bestimmung durch den Baum nicht widersprechen darf.

 

Es gibt noch diverse andere Traditionen und Geschichten über den Baum, aber dies soll vorerst reichen.>>

Tel’Aran blickte sprachlos zu Somone, die nun etwas errötet neben der Mutter stand. „Das soll ein Scherz sein oder?“, fragte nun Tel’Aran etwas ungläubig. „Bisher weiss niemand davon. Doch einige Leute sahen die junge Frau Eisglanz verwirrt nach Hause rennen und kurz darauf den Herr Rhiod.“, begann der Richtmagier zu sprechen, „Es ist somit klar, dass einige Gerüchte kursieren.“. „Ich denke es ist wichtig, dass du mit Deedlit redest, bevor dies alles bekannt wird“, sprach nun Andris Vater. „Ich bin kein Elf eures Landes und eure Tochter hat was Besseres verdient als mich.“ Versuchte sich Tel’Aran rauszureden. Der Stadthalter trat näher und blickte zu Somone und danach zum jungen Elfen. „Es geht nicht darum, was du oder ich möchten. Es handelt sich um eine Tradition, welche keiner in diesem Land brechen sollte. Deine Abstammung mag nicht gerade in meinen Vorstellungen eines Idealen Ehemannes meiner Tochter passen, aber ein Lebensbaum und das Schicksal haben dies entschieden.“, sprach der Stadthalter laut und die Leute im Raum erstarrten kurz. Der andere Stadtrat, der sich bisher sehr zurückhielt begann zu sprechen: „Herr Rhiod. Mir ist Ihre Lage durchaus bewusst. Sie waren an der Hochzeit von Deedlit und Andriss nicht dabei und wissen nicht, dass wir alle dies sehr gut verstehen können. Sie waren für mehr als zwei Wochen verschollen. Wir fanden den Brief an Ihrer Türe, als man sie vier Tage vor der Hochzeit nirgends vorfand. Man hat nach Ihnen gesucht, aber nirgends einen Spur gefunden. Selbst Sucher haben Sie vergeblich gesucht und das obwohl diese auch an diesem Baum vorbei gingen. Deedlit hatte bis am letzten Tag vor der Hochzeit nach euch gesucht und all dies hat uns doch ziemlich berührt.“, er hielt kurz Inne und blickte in die Runde, „Trotz allem müssen Sie das Schicksal akzeptieren. Sie haben damals nach der Prüfung geschworen, dass Sie im Namen Ihres Volkes alle Regeln, Gesetze und Traditionen folge leisten werden. Wollen Sie Ihren Schwur und den Ruf Ihres Volkes schaden? Sie müssen die Verantwortung tragen und früher oder später hätten Sie eine Hochzeit mit einem unseres Volkes durchgeführt.“, beendete der Stadtrat seine Rede. Tel’Aran sass kurz hin und seufzte laut. „Ihr selber wisst, welche Ansprüche ich machen könnte und welche Art von Leben ich durch mein Erbe leisten könnte.“, begann der frustrierte Elf in die Runde zu reden, „Ich habe bewusst ein einfaches Leben aufgebaut. Ich möchte nicht als Reicher Erbe der Rhiod bezeichnet werden und ich brauche kein grosses Haus um mein Leben zu führen. Ich hatte nie vor jemanden zu heiraten. Selbst wenn ich Deedlit auf ewig Liebe, bin ich über ihre Hochzeit glücklich. Es ist das Beste für sie.“ „Wie soll ich das mit dem Reich verstehen?“, erkundigte sich der Stadthalter. „Tel’Xathur Rhiod hat nach Abschluss des Vertrages ein Erbe hinterlassen. Eine ganze Schiffladung an Gold und anderen Wertvollen Materialien wurden ihm hinterlassen.“, beantwortete der Richtmagier trocken, „Diese Tatsache wurde auf Wunsch von Tel’Xathur wie Tel’Aran geheim gehalten. Bisher hat er keinen Betrag seines Erbes abgehoben. Er hat bisher alles aus eigener Kraft geschaffen.“. Ein leises Staunen hallte durch den Raum. Somone ging zu Tel’Aran und griff seine Hand. „Herr Rhiod. Wie bereits Stadthalter Windklang erklärte, haben wir alle gesehen, was Deedlit und Ihr wohl füreinander empfindet.“ Sie blickte etwas schüchtern in die Augen vom Elfen, „Ich war nur etwas wandern, als ich diesen wundervollen Baum sah. Ich konnte nicht Ahnen, dass es ein Lebensbaum war und was wichtiger ist…“, sie hielt kurz Inne, „dass es sich um Euren Baum handelte. Ich bin eine gute Freundin von Deedlit und ich will ihr nicht wehtun. Doch es scheint unser Schicksal zu sein. Die Natur beschloss, dass wir vereint werden müssen und ich werde es akzeptieren, dass ich vielleicht nur den zweiten Platz in Eurem Herzen belegen kann.“, es wichen einige Tränen aus ihren Augen und sie rannte zu Ihrer Mutter. Tel’Aran blickte nur in die Runde und versuchte alles zu verstehen.  „Herr Rhiod,  ich schätze Ihr möchtet eine Weile alleine sein. Das Mittagessen wird gleich serviert. Ich schlage vor Ihr nehmt dies zu euch und danach lassen wir euch für den Rest des Nachmittages in diesem Raum alleine, damit Ihr darüber nachdenken könnt.“, sprach der Richtmagier. Tel’Aran erinnerte sich an die Geschichte über die Richtmagier. Dieser Elf war älter als der Stadthalter oder einem vom Rat. Der Richtmagier ist jemand, der die Gesetze und Traditionen wahrt. Er wird von einem speziellen Gremium in der Hauptstadt gewählt und in die Städte und Dörfer entsannt. Seine Anwesenheit, musste wohl bedeuten, dass es bereits beschlossen wurde. Dankend nahm Tel’Aran den Vorschlag des Richtmagiers an.