Es verging bereits wieder ein Tag. Die Gerüchte verbreiteten sich wie ein Lauffeuer in der Stadt und erreichten sogar die Hauptstadt. Der Stadthalter hatte eigentlich alle Bediensteten dazu aufgefordert nichts über Tel’Aran zu erwähnen. Diese Aufforderung nahm jedoch eine Magd nicht so ernst und so wurde schnell bekannt, dass Tel’Aran seit mehreren Tagen im Haus des Stadthalters lebt. Schon begannen die Gerüchte Gestalt anzunehmen. Aufgrund des Umstandes, dass Somone weinend und panisch durch die Stadt rannte, förderten die Gerüchte im Negativen Sinne. So wurde gemunkelt, dass Tel’Aran Rhiod sich an Ihr vergriffen haben muss. Diese wurden jedoch schnell widerlegt, als eine Stadtwache erwähnte, dass er einen Richtmagier begleitete, der einen Lebensbaum musterte. Natürlich überlegte man sich, dass wahrscheinlich Somone an ihrem Lebensbaum war und Tel’Aran sie gefunden hatte. Einige widerlegten diese These anhand des Standortes des Lebensbaums der Familie von Somone. Wäre es ihr Lebensbaum gewesen, müsste sie aus einer anderen Richtung gerannt gekommen sein.

Es blieb aufgrund der bekannten Teilen nur die Möglichkeit, dass es sich um den Lebensbaum von Tel’Aran handeln musste. Allein der Gedanke förderte das Gerücht und machte sich schon bald in den höheren Rängen innerhalb der Hauptstadt breit. Selbst für die Elfen des Hateren Volkes war es eine Ehre von einem Lebensbaum anerkannt zu werden. Wie konnte jemand vom „sterbenden Volk“, wie die Hateren die Leute aus dem zerstörten Brittania auch manchmal abfällig nannten, dieser Ehre zu Teil werden. Die Richtmagier am Hofe haben jedoch diesen umstand bestätigt. Der Magier Arkril hatte einen Brief entsandt in dem der Vorfall geschildert wurde und hatte diesen Brief mit dem Siegel bestätigt.

 

„War dieser Tel’Aran nicht Tel’Xathur’s Sohn?“, erkundigte sich das Gremiummitglied Zrathul. „Ja, er hatte die Prüfungen absolviert und bestanden. Das sind schon etliche Jahre her.“, erwiderte Mitglied Dersia. Die beiden Mitglieder hatten die Neuigkeit gerade vernommen und wollten diesen Umstand besprechen. Dersia bestand darauf, dass Zrathul die Umstände und möglichen Ursachen erfährt. Sie waren in einer magisch gesicherten Kammer und konnten sich unbeschwert unterhalten. „Wie du weisst bin ich eine der ältesten Mitglieder des Gremiums.“, begann Dersia, „Ich war dabei, als Tel’Xathur vor mehr als hundert Jahren in Kralia auftauchte und wünschte mit dem Gremium zu sprechen.“, sie hielt kurz inne und sprach weiter, „Tel’Xathur konnte nachweisen, dass seine Familie von unserem Volk Abstammt. Dieser Beweis ist jedoch fast so alt wie die Mauern dieser Halle. Es wurde lange abgewogen und er vergingen zwei Monate für das Prüfen seines Begehrens.“. „Den Rest kenne ich ja bereits Weise Dersia.“, erwiderte Zrathul gelassen, „Der Rat beschloss, dass beim Tag, an dem der Vertrag in Kraft treten soll, der Vertreter des Volkes sich der heiligen Prüfung unterziehen muss. Niemand hätte je gedacht, dass jemand diese Prüfung schaffen könnte. Nur die wenigsten haben jemals diese Prüfung überlebt, geschweige denn bestanden.“, er blickte etwas nachdenklich zu Dersia, „Was also möchtest du mir sagen, dass wir in dieser Kammer der Sicherheit sind?“.  Sie griff in Ihrer Tasche und nahm ein Buch hervor. Sie öffnete eine Seite und legte es dem Menschen in die Hand. Dieser musterte den Text und schluckte kurz auf. „War dies der Grund für die Zusage? Und der Prüfung?“, fragte er etwas entsetzt. „Nur zwei weitere im Gremium wissen von diesem Buch und seinem Inhalt. Wir drei haben uns damals eingesetzt und das Gremium überzeugen können. Sie glaubten unseren Aussagen, dass keiner die Prüfung bestehen könnte, der nicht schon seit Anbeginn hier lebt.“, antwortete sie mit einem lächeln. „Wenn dieses Buch stimmt, werden noch andere Zeichen folgen. Die ersten zwei wurden nun bereits erfüllt. Ich bin gespannt wohin das ganze führen wird.“, ergänzte Dersia. Der Mensch blickte Sie an und danach nochmals das Buch. „Warum habt ihr mir diese Wahrheit offenbart?“, fragte er nochmals Dersia. Sie beide gingen aus dem Raum raus und sie antwortete gelassen, „Weil wir ab heute jeden brauchen, der bereit ist die Zukunft unserer Welt zu schützen.“

 

Tel’Aran Rhiod sass vor dem Arbeitstisch des Stadthalters. Beide blickten etwas nachdenklich in den Kamin. „Es lässt sich nicht ändern, was geschehen ist Tel’Aran“, begann der Stadthalter, „Die Trauung ist noch nicht angesetzt, aber du kannst mich ab heute einfach Finwar nennen. Die Gerüchte haben sich verbreitet und wir müssen die nächsten Tage die Sache klären. Ob wir bereit sind oder nicht.“ „Ich kann diesem Schicksal wohl nicht mehr entkommen, doch ich will mit dir offen reden Finwar. Was erwartest du von mir und wie soll ich diese Erwartungen erfüllen?“, erwiderte der Elf gelassen. Es verging einige Zeit. „Ich wünsche für meine Tochter nur das Beste. Ich hatte gehofft, sie mit einem Adligen aus der Hauptstadt vermählen zu können, doch diese Pläne sind nun irrelevant.“, Finwar blickte zu Tel’Aran, „Ich hatte dich für lange Zeit als ein Aussenseiter gehalten. Die meisten Leute mochten dich, doch du hast dich immer abgeschottet. Du meidest den Kontakt mit anderen Wesen, was sehr seltsam wirkte und misstrauen weckte.“, Finwar lächelte kurz, „ Ich hatte sogar eine Weile gedacht, du würdest dunkle und verbotene Rituale abhalten.“ Tel’Aran blickte kurz entsetzt auf und wollte etwas sagen, was Finwar mit einer kleinen Handbewegung unterband, „Ich war noch nicht fertig mein junger Elf. Ich habe nun eingesehen, dass du jemand bist, den man Trauen kann. Kommen wir zum wichtigeren Teil. Deine bisherige Unterkunft ist für eine Person ausgelegt. Das bedeutet, dass diese ausgebaut werden muss. Ich werde euch gerne in meinem Haus willkommen heissen, bis diese Arbeiten abgeschlossen worden sind.“ Tel’Aran blickte etwas nachdenklich und erwiderte „Ich werde mich mal erkundigen und gleich ein anständiges Haus bauen lassen. Es wird ein einfaches aber stabiles Haus. Bitte akzeptiere dies.“ Finwar nickte nur, „Ich habe bemerkt, dass du lieber ein einfaches Leben suchst. Vielleicht ist dies genau das richtige für meine Tochter. Da sind wir beim nächsten Punkt angelangt, der mir am Wichtigsten ist.“, er hielt kurz inne und blickte zu einem Gemälde seiner Tochter, „Ich denke jeder kennt deine Wahren Gefühle. Du bist nicht gut darin diese zu verbergen. Trotzdem will ich, dass du meine Tochter glücklich machst und ihr das Gefühl gibst, dass du sie als deine Frau akzeptierst.“. Tel’Aran blickt etwas verlegen und verwirrt Finwar an. Was soll er bloss auf so eine Bedingung antworten. Liebe kann nicht erzwungen werden. Doch er muss sich diesem Schicksal fügen. Schliesslich ist es eine Tradition und es scheint, dass Liebe für viele Ehen nur eine nette Beigabe ist. Er seufzte leise und versuchte eine Antwort zu geben, „Finwar. Ich werde mein bestes tun um sie glücklich zu machen. Dennoch musst du verstehen, dass man Liebe nicht erzwingen kann. Ich kann nichts versprechen, was ich nicht halten kann. Ich gebe dir nur mein Wort, dass ich alles versuchen werde, was möglich ist.“ Finwar stand auf und ging zum Kamin. Er blickte um sich und murmelte etwas leise vor sich hin. Er drehte sich danach um und nickte: „Ich schätze, dass ist die einzige Antwort die du mir geben konntest. Ich akzeptiere Sie. Du bist nun bereit für eine andere Tradition, die manchmal bei baldigen Ehepaaren angewendet wird. Ab heute Abend wirst du für zwei Tage mit meiner Tochter zusammen sein. Ihr werdet gemeinsam essen, nach draussen gehen und ein Zimmer miteinander teilen.“. Tel’Aran schluckte kurz auf und blickte zugleich etwas unsicher. „Was während den zwei Tagen geschieht oder nicht ist irrelevant. Der Sinn dieser Tradition ist weit tiefgründiger, als er den Anschein erweckt. Es geht darum, dass ihr euch beide näher kennen lernt. Ich würde vorschlagen, dass du ihr auch dein derzeitiges zu Hause und deine Arbeit zeigst. Sie soll dich so sehen, wie du wirklich bist. Sie wird dir unseren Lebensbaum zeigen und auch ihre Vorlieben und Hobbys. Vielleicht findet ihr Gemeinsamkeiten oder Themen worüber ihr euch unterhalten könntet.“ Tel’Aran nickte nur noch.

 

Galdun sass in der Mitte seines Turmes und musterte einige Pergamentrollen. Das Gerücht über Tel’Aran Rhiod hatte auch seine Region erreicht. Er kannte den Namen irgendwoher und wollte sich Gewissheit beschaffen. Einige der Rollen waren ziemlich vergilbt und deuteten auf ein hohes Alter zurück. Eine junge Dame betrat den Raum. „Meister Galdun, hier euer Tee.“, sprach sie und legte das Tablett in einen freien Bereich des Arbeitstisches und musterte den Magier bedenklich, „Ich habe euch schon lange nicht mehr so gesehen. Was beschäftigt euch?“. Er blickt kurz auf und murmelte einige magische Worte. Es erschien ein Rauchartiges Bild eines Elfen in einer massiven Rüstung. „Wer ist das?“, erkundigte sich die Dame verwundert. Der Magier stand auf und blickte von allen Seiten dieses Dreidimensionale Bild des Elfen an. „Das kann er nicht sein, aber die Ähnlichkeiten bestehen.“, murmelte der Magier laut auf und blickte etwas erschrocken zur Dame „Ach Jennifer, tut mir leid ich hatte dich nicht bemerkt!“. Sie wiederholte ihre Frage und er begann mit der Antwort. „Ich habe den Namen Tel’Aran Rhiod irgendwo schon einmal gehört und wollte mich versichern. Dieses Bild ist in einem alten Pergament versiegelt worden. Es handelt sich aber nicht um den erwähnten Elf, aber die Beschreibungen passen. Gut möglich, dass dieses Bild ein Vorfahre des Elfen ist.“ „Dieser Rhiod stammt aber von Brittania. Wie kann es sein, dass ein Vorfahre von ihm hier erwähnt wird?“, erwiderte Jennifer und reichte dem Magier seinen Tee. „Genau das möchte ich nun erfahren. Das Gremium hat vor langer Zeit den Verrag mit dem Vater des Elfen geschlossen. Sie haben nie erwähnt, weswegen dieser Pakt geschlossen worden ist. Irgendetwas ist im Gange, doch was?“. Der Magier trank einen schluck und reichte der jungen Dame eine etwas neuere Rolle und deutete hin, dass sie den Inhalt lesen sollte. Sie nahm die Rolle an sich und musterte den Text. „Meister“, begann sie, „Ist diese Rolle korrekt? Darin steht, dass Tel’Aran Rhiod die eine Prüfung bestanden hat! Und das in einem sehr jungen Alter.“. Der Magier nickte nur. Er ging zu einer der vielen Regale und nahm ein Buch hervor. Das Buch hatte eine dicke Staubschicht und die Schrift kannte Jennifer gar nicht. Der Magier blätterte darin und blickte immer wieder zum dreidimensionalen Bild des Elfen. „Meister, was für ein Buch habt ihr da? Ich kenne die Schrift nicht, wieso habt ihr mir die nicht gelehrt?“, begann die etwas junge Frau zu sprechen. Der Magier blickte auf, „Jennifer“, begann er mahnend, „Du bist für einen Menschen sehr weise und lernst schnell. Doch es gibt Schriften und Bücher, welche eine hohe Bürde auf sich tragen und jemand schwachen oder unerfahrenen Einnehmen kann. Diese Schrift hier ist eine alte aus dem Reich der Elfen. Sie ist mehr als eine Schrift. Sie ist ein in sich geschlossener Zauber. Dieses Buch beinhaltet Prophezeiungen der Zukunft und die Ursprünge der meisten Traditionen. Viele Magier starben, wenn sie dieses Buch lasen. Sie kann, wenn man sich nicht konzentriert, die eigene Zukunft zeigen und dieses Wissen kann töten.“. Sie blickte schockiert und trat einige Schritte zurück. Galdun lächelte, legte das Buch beiseite und nahm die Hand der jungen Dame in seine älteren Hände: „Keine Sorge, wenn du soweit bist, werde ich dir diese Angst nehmen und du wirst diese Sprache lernen.“. Er nahm einen Mantel von der Garderobe und reichte Jennifer ihren Mantel: „Jennifer, wir werden nach Kralia gehen und diesen Elfen besuchen. Ich werde gleich noch einen Boten an das Konzil der Richtmagier weiterleiten.“, Jennifer nickte und wollte gerade eine Frage stellen, als der alte Elf antwortete, „Ich werde zwei der alten Traditionen durchführen. Dieser Elf scheint mehr zu haben, als dem Konzil und dem Gremium womöglich bewusst ist. Es ist lange her als ich das letzte Mal diese beiden Riten durchgeführt habe, aber wir müssen die Gewissheit haben.“. Jennifer spürte einen kalten Schauer über den Rücken spüren. Sie wusste, dass Galdun früher der Inquisitor des Magierkonzils war. Seine Aufgabe bestand darin Dämonen und deren Dienern zu finden und zu töten. Doch seit mehr als zweihundert Jahren, wurde keiner mehr verdächtigt und deswegen nahm sich der Elf seither immer Schüler und lehrte diese in der Kunst der Magie und der Dämonenbekämpfung. Jennifer war besorgt. Ist dieser Elf vielleicht ein Dämon? Welche Gewissheit will Meister Galdun erhalten? Was sie am meisten verwirrte war seine Aussage von zwei Riten. Sie kannte nur ein Ritus, welcher für die Inquisition notwendig war. Welchen anderen Ritus meinte der Meister? Sie wollte dies alles Fragen, doch sie erkannte in den Augen des Elfen, dass er nicht bereit war diese Informationen jetzt schon Preis zu geben.