Der Morgen dämmerte und die ersten Sonnenstrahlen erreichte das Gesicht von Tel’Aran. Langsam öffnete er die Augen, als er die Blicke von Somone bemerkte. Es dauerte einige Sekunden, bis Tel’Aran realisierte, wo er sich befand. Somone blickte lächelnd zu ihm hinüber. „Wie, „ wollte der Elf sich gerade erkundigen, „Lange genug“ erwiderte Somone gelassen und sprach weiter, „Man sagt, dass man beim Anblick einer schlafenden Person dessen wahre Natur erkennt.“ Tel’Aran stand auf und ging kurz zum Waschbecken. „Was ist dein erstes Urteil zu mir“, fragte er nach, nachdem er seinen Schlaf weggewaschen hatte. „Ich bin mir nicht sicher. Es scheint, dass man dich nicht einfach zu etwas einteilen kann“, antwortete sie etwas unsicher, „Aber zumindest sah ich nichts Böses oder hinterhältiges.“, beendete sie ihren Satz.

Die beiden jungen Elfen kamen gerade die Treppe hinunter und die Eltern von Somone sassen bereits am Esstisch. Die beiden nahmen ebenfalls Platz. Das Frühstück verstrich mit sehr wenigen Sätzen. Finwar hatte anschliessend nur erläutert, dass sich die beiden an die Traditionen halten sollte und wies besonders Somone darauf hin. „Du kennst sie ganz genau. Also erkläre Tel’Aran alles, während den kommenden Tagen.“, hallte es noch immer in ihren Ohren.

 

Beide kleideten sich gemäss den Traditionen in leichten Gewändern, die weite Schnitte besassen und aus der gleichen grünen Farbe bestanden. Mit diesen Kleidern wurde das Paar gezeichnet und sämtliche Personen würden erfahren, was sich zwischen Tel’Aran und Somone ereignete. Somone lächelte, als sie Tel’Aran in den Kleidern musterte. Er wirkte etwas verärgert und versuchte das Kleid verzweifelt zu Recht zu rücken. Sie trat näher und half ihm dabei. „Seltsame Kleider. Ein Leinensack ist leichter zu tragen!“, murmelte er vor sich hin. Sie erwiderte seinen Kommentar nur mit einem lauten lachen. Nach einer Weile traten sie hinaus. Es war ein wundervoller Tag angebrochen. Die Sonne strahlte und der Himmel war klar und im schönsten Blau.

 

„Wohin gehen wir zuerst?“, begann Tel’Aran zu fragen. „Gemäss der Tradition, werden wir meinen Baum besuchen. Ich kenne deinen, nun sollst du den meinen sehen.“ Er nickte kurz und beiden liefen Richtung Stadt. Es behagte in wenig, als die ersten Leute die beiden sahen und mit Überraschten oder geschockten Blick die beiden musterten. Sie bemerkte es und griff ihn und flüsterte ihm ins Ohr „Entspann dich. Wir beide müssen mit den Reaktionen leben. Das wird noch.“ Bevor er antworten konnte kam eine Stimme von Hinten. „Tel’Aran, da bist du ja! Ich…“ , es handelte sich um einen Bauer, der gerade eine zerschlissene Schaufel in der Hand trug und auf dem Weg zur Stadtschmiede war. Bevor dieser seinen Satz beenden wollte, musterte er die beiden. „Was macht ihr beiden in solchen Kleidern? Damit ist nicht zu scherzen!“, stotterte der Bauer nun zögerlich aus.  Tel’Aran musterte Somone und diese musterte seine Augen und nickte. „Karl“, begann Tel’Aran, „Wir scherzen nicht. Ohne mein Wissen hat ein Lebensbaum mich als seinen Paten angenommen. Somone hat mich anschliessend am besagten Baum gefunden.“. Als Tel’Aran fertig war, griff Somone entschlossen die Hand von Tel’Aran und sprach noch hervor „Ich will klarstellen, dass wir beide das Schicksal und die Tradition akzeptiert haben und hoffen, dass alle uns gleich tun werden!“. Karl wirkte beschämte und entschuldigte sich. Tel’Aran hatte anschliessend vereinbart, dass Karl in vier Tagen eine neue Schaufel abholen könne. Sie liefern durch die Stadt und haben einige Male angehalten und mussten die Geschichte immer wieder erläutern. Es war beinahe Mittag, als Sie das Ende der Stadt erreichten. Ein einzelner und gepflegter Weg führte auf einen Hügel.

 

Somone schritt voran und deutete auf einen einzelnen Baum, der von einer prachtvollen Mauer umgeben war. Der Baum selbst wirkte wie eine mächtige und stämmige Eiche. Anhand der Wurzeln, die aus der Erde ragten, und dem prächtigen Blätterwerk, musste dies eine sehr alte sein. Die Wiese um den Baum war gepflegt und mit vielen Variationen von Blumen geschmückt. Der Weg ging direkt bis zur Eiche, wo ein Plätzchen eingerichtet war. Somone liess Tel’Aran die Impressionen geniessen und sagte während den Minuten kein Wort. „Wie du sicher erkennen kannst, ist dies der Baum meiner Familie.“, unterbrach Somone die Stille und deutete mit der Hand auf die Eiche, „Er ist seit mehreren Hundert Jahren mit uns im Bunde und hat viele meiner Vorfahren weise beraten.“ Sie legte sich auf das Plätzchen, dass wie ein Bett angedeutet war und musterte Tel’Aran. „Die Tradition erwartet, dass du auch meine Wahre Natur sehen musst. Ich werde mich nun für ne Weile hinlegen. Sollte ich nach einer Stunde noch nicht Wach sein, wäre ich dankbar, wenn du mich aus der Trance holst.“ Sie schloss ihre Augen und Tel’Aran trat einige Schritte zurück. Er hatte Somone noch gut im Blick, konnte aber auch die Eiche besser bestaunen. Er musste nicht lange warten, bis die Eiche auf Somone’s Einfluss reagierte. Die Blätter färbten sich in verschiedene helle Töne. Das Blätterwerk wirkte fast wie ein Regenbogen. Die Blätter und Äste schwankten in einem sanften Rhythmus mit dem Wind und es wirkte beruhigend, aber bestimmend. Es musterte mehrere Minuten dieses Bild. Er suchte nach Details und Besonderheiten. Inmitten des farbigen Blätterwerkes erkannte er schlussendlich einige Auffälligkeiten. Etwas Dunkles war tief im Blätterwerk versteckt und schien auch der Eiche zu schmerzen. Nach gut 40 Minuten entschloss er sich, Somone aufzuwecken. Er schritt auf den Platz zu und musterte die junge Elfe eingehend. Weitere fünf Minuten vergingen, bevor er sie endgültig aus der Trance geholt hatte. „Willkommen zurück Somone“, begann er leise zu flüstern und sie öffnete ihre Augen. „Und?“, war ihre simple Reaktion. „Du scheinst ein interessantes Wesen zu besitzen.“, er blickte in ihre Augen und sprach weiter, „Und auch in deinem Schlaf konnte ich nichts finden, was gegen dich sprechen würde.“ Sie lächelte auf seine Antwort und nahm ihn an die Hand. „Die Eiche hatte mit während der Trance gesagt, dass er dich kennen lernen möchte.“, sprach sie und deutete ihm, sich hinzulegen, „Es ist kein Teil der Tradition, aber ich wüsste nichts, das dagegensprechen würde.“ Der Elf musterte die Eiche und bemerkte ein Rascheln. Nach kurzem zögern gab er der Bitte nach und legte sich hin. Ein seltsames Gefühl umgab ihn und er bemerkte, wie der Baum mit ihm ein Gespräch anfing.

 

Somone wartete an der Seite von Tel’Aran. Sie musterte natürlich auch die Eiche, in der Hoffnung, dass Sie etwas erkennen könnte. Die Eiche veränderte seine Farben ständig und auch die Äste wirbelten hin und her. Sie fragte sich, was die beiden zu besprechen hätten. Nach einer halben Stunde blieb die Eiche in einer Form. Die Blätter wirkten Silbern, die Rinde golden und die Blätter funkelten, als würden Diamanten auf denen Ruhen. Tel’Aran öffnete seine Augen und lächelte der Elfe zu. „Die Eiche ist sehr besorgt um dich und wollte einige Dinge mit mir besprechen.“, begann er zu erläutern, „Nebenbei hatte sie mich auch daran gemahnt, dass ich ja gut zu dir schauen soll.“ Somone blickte tief in Tel’Aran hinein und konnte keine Lüge oder verborgene Wahrheit erfühlen. „Wieso hat sich die Eiche sooft in der Form und Farbe verändert?“, fragte sie nach. Der Elf zuckte nur mit der Schulter und nahm an, dass es sich wohl als Folge der Diskussion so ergeben hatte.

 

Sie gingen wieder zurück in die Stadt und nahmen in einer Taverne platz. Tel’Aran bestellte für die beiden etwas zu trinken und auch eine kleine Mahlzeit. Gemeinsam assen sie und musterten die Stadt und das Wetter. „Was steht als nächstes an?“, fragte Tel’Aran, als sie auf die Nachspeise warteten. „Ich würde sagen, dass du mir mal dein Heim zeigst. Ich hab vieles darüber gehört, aber selber noch nie gesehen.“, erwiderte sie nach kurzer Überlegung. Er nickte und beide genossen noch die süsse Nachspeise. Nachdem Sie gut gespeist hatten, entschlossen sie sich auf den Weg zum Haus von Tel’Aran. Nach einer Weil erreichten Sie die Hügel und von weitem erkannte man die simple Holzhütte. „Warum lebst du so abgeschieden“, stellte sie etwas überrascht fest, „Schliesslich bist du ein Berühmtheit unter deinem Volk.“ Tel’Aran erwiderte die Frage nicht und schritt weiter. An einigen Stellen mussten sie rasten, da Somone diese Strapazen nicht gewohnt war.

 

Der Nachmittag neigte sich bereits zu Ende, als die beiden die Holzhütte erreicht hatten. Sie musterte es eingehend und blickte etwas fragend zu Tel’Aran. „Ich wusste, dass du lieber gemütlich lebst, aber dieser Lebensstandard überrascht mich doch einwenig.“, brachte sie schlussendlich zu Wort. Er lachte kurz und blickte dann plötzlich ernst, „Ich musste so viele Jahre im Schatten meiner Familie leben.“, begann er und schritt mit ihr in die Hütte, „Ich musste immer wieder vom Erbe meiner Familie hören. Ich wollte weg von meinem Volk. Die Gründe sind zu weittragend, als dass ich die jetzt mal kurz erläutern könnte. Ich wollte auch mein eigenes Heim. Kein Palast, keine Villa, sondern ein simples zu Hause, wo ich mein Leben geniessen kann.“ Sie hatte bereits auf einem Stuhl platz genommen und betrachtete die Einrichtung. Tel’Aran prüfte seine Vorräte und fand einige Kleinigkeiten, die er für ein kleines Mahl anbieten konnte. Er machte alles bereit und trug es an den Tisch. Er blickte auf die nachdenkliche Somone und überlegte kurz. „Keine Sorge. Ich werde in den kommenden Tagen veranlassen, dass ein angemessenes Haus für uns beide entsteht.“, erklärte er ihr. Sie blickte lächelnd zu ihm hinüber und antwortete simpel „Es ist für mich wichtiger, wenn wir gemeinsam leben. Natürlich bin ich mir was anderes gewohnt, doch ich könnte mir auch gut ein Leben in so einer Hütte vorstellen.“, sie hielt kurz inne und blickte dann noch mal um den Raum, „Ich habe eher nachgedacht, wegen dem Platz. Die Hütte wäre kaum gross genug für Zwei Leute.“, ihre Wangen liefen rot an und sie flüsterte leise hinzu, „oder mehr…“. Es herrschte kurze Stille. Die beiden betrachteten sich und Somone hakte nach, „Du gehst deiner Tätigkeit sicher auch hier zu Hause nach oder?“, Tel’Aran nickte und sie sprach weiter, „Wo ist denn deine Schmiede und Lagerraum? Hier hat es ja keinen Platz für so was.“ Tel’Aran lächelte und deutete zuerst auf das Essen.

 

Sie genossen den Späteren Nachmittag noch eine Weile und Tel’Aran zeigte seine Werkstatt und die wenigen Waren, welche hier noch lagerten. Er führte sie auch noch etwas herum und zeigte die Klippen. Als der Abend anbrach, entschlossen sie sich, dass es Zeit wäre für den Rückweg. Tel’Aran bat seine Schulter und Somone nahm diese Geste danken an. Sie erreichten wesentlich schneller die Stadt, als zuvor. Rechtzeitig zum Abendessen waren sie wieder im Haus der Familie. Sie wurden herzlich begrüsst und nahmen danach Platz. Natürlich wollte der Vater erfahren, was sie bereits gemeinsames erlebt haben und wie sie es empfanden. Es war ihm sehr wichtig, dass sich beide nicht bedrängt fühlen.

Das Abendessen war zu Ende. Somone entschloss sich ein Bad zu nehmen und Tel’Aran wartete in ihrem Zimmer. Nach einer Weile kam sie etwas entspannt aber erschöpft in den Raum. Der Tag hatte an den Kräften von Somone und Tel’Aran gezerrt. Tel’Aran stand auf dem Balkon und musterte den Sternen Himmel. Somone kämmte sich die Haare und summte wieder ein Lied vor sich hin. Für den Elf war es ein vertrautes Lied, doch wusste er nicht woher. „Somone?“, begann er zu fragen. „Ja? Tela?“, erwiderte sie gelassen. „Das ist doch dasselbe Lied wie gestern? Es kommt mir so bekannt vor und dennoch erinnere ich mich nicht an den Text oder Hintergrund.“ Sie war gerade fertig mit dem Kämmen und trat auf den Balkon. „Pfad der Schmerzen. So nennt man dieses Lied. Manche nennen es auch ‚Pfad der verlorenen Liebe’.“, begann sie zu erklären. Der Elf musterte Somone in ihrem länglichen und verzierten Nachthemd und wartete auf die weiteren Erklärungen. „Das Lied erzählt von einer Legende. Die Legende, dass ein Junge einem unbekannten Pfad folgte. Dieser Junge hatte eine Geliebte. Das tragische daran, keiner der beiden hatte jemals die Liebe dem anderen bekundet. Es war somit eine heimliche und dennoch offensichtliche Liebe. Als er ohne Warnung oder Hinweis den Pfad bewanderte, folgte seine Geliebte ihn.“, Somone lehnte sich an Tel’Aran und blickte nun ebenfalls auf den Sternenhimmel, „Niemand hat je erfahren, ob die beiden sich gefunden haben. Niemand weiss, ob der Junge sein Ziel erreicht hat. Das einzige was geblieben ist, ist ein Mahnlied oder Trauerlied das darüber erzählt. Ein Lied, das erinnern soll, dass man nicht immer nur nach vorne schauen soll, sondern auch zu seiner Linken/Rechten und erkennen was man bereits besitzt.“ Einige Minuten vergingen und beide blickten auf den Mond. „Ich kann mich noch immer nicht erinnern“, seufzte Tel’Aran. „Das macht nichts. Ich werde dir gerne den Text beibringen. Vielleicht erinnerst du dich danach besser.“, erwiderte Somone. „Gerne.“, war die knappe Antwort. Er bemerkte, wie Somone langsam die Kälte zu schaffen machte und er drückte sie näher zu sich. Eng zusammen blickten sich die beiden nun in die Augen. So verstrich die Zeit und der Mond stieg höher. Im Lichte des Mondes schlussendlich küssten sie sich. Die Scheu und Bürde war endlich überwunden und vielleicht konnte sich doch Liebe entwickeln.