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- Written by Adrian von Allmen
- Category: Buch 3
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Es war schon später Nachmittag. Tel’Aran war alleine im Raum und musterte eine kleine Schatulle. Während dem Mittagessen bat er dem Stadthalter diese aus einem Versteck zu holen. Der Bote hatte sich an die Anweisungen genau gehalten, weswegen Tel’Aran etwas erleichtert war. Das letzte was er wollte wäre ein toter Bote des Stadthalters.
Er berührte die Schatulle an einigen Stellen und sprach alte Runen aus. Die Schatulle begann zu glühen und ein kleines spirituelles Feuer umhüllte dieses. Nach einigen Minuten war der Spuk vorbei und Tel’Aran öffnete die Kiste vorsichtig. Damals hatte er das Angebot des Magiers angenommen, hätte aber nie gedacht, dass er diesen Schutzzauber wirklich einmal verwenden würde. Im Nachhinein war er nun aber froh, dass er für ein paar Sonderanfertigungen diesen Spruch als Bezahlung erhielt. Er griff vorsichtig in die Schatulle hinein und holte eine glänzend, glühende Kette heraus. Sie war genau in dem Zustand wie gewollt und Tel’Aran war sehr stolz auf sein Werk. Er blickte auf die Uhr und wusste, dass schon bald Deedlit ankommen sollte. Er bat darum und erhielt auch die Erlaubnis.
Es vergingen noch einige Minuten und er war in Gedanken versunken. Was wollte das Schicksal von Ihm? Weswegen wurde er nun zu all dem gezwungen? Wieso kann er nicht das Leben führen, welches er sich selber wünscht? Es gab einfach zu viele Fragen die er sich nicht beantworten oder erklären konnte. Er seufzte leise und plötzlich klopfte es an der Türe. „Herein!“, sprach der Elf gelassen. Die Türe öffnete sich und Deedlit blickte mit Tränen in den Augen zu Tel’Aran und schrie laut auf „Du lebst! Wie schön!“ und sprang in seine Arme. „Ich hatte schon das schlimmste befürchtet! Als ich hörte, dass du mich sprechen wolltest und am leben bist, war ich so glücklich!“. „Hallo Deedlit“, begann der Elf, „Es tut mir leid, dass ich dir anscheinend so viele Sorgen gemacht habe. Das letzte was ich möchte ist, dass du traurig bist.“
„Tel’Aran, was machst du eigentlich im Haus des Stadthalters? Haste mal wieder was angestellt?“, fragte Deedlit schmunzelnd. Er seufzte kurz und nahm die Schatulle zur Hand. „Bevor wir über dieses Thema sprechen, möchte ich zuerst etwas nachholen, was ich leider versäumt habe. Es ist mein Hochzeitsgeschenk und ich bedaure zu sehr, dass ich nicht anwesend sein konnte.“, sprach er und legte ihr die Schatulle in die Hand. Sie blickte zuerst etwas zögerlich und danach öffnete sie die Schatulle. Etwas erstaunt nahm sie die Kette heraus und musterte die. Sie legte Sie sogleich an und umarmte Tel’Aran. „Sie ist wunderschön und ich habe noch nie so etwas gesehen und die Wärme, welche sie ausstrahlt. Was für Magie hast du da benutzt?“ sprach sie und deutete auf den Rubin, welcher das Abbild der beiden zeigte. „Das ist nur ein Erinnerungszauber.“, erwiderte Tel’Aran gelassen. „Nein ich meine die Wärme. Wie hast du die zustande gebracht.“, hakte sie nach und er antworte lächelnd „Das wird mein Geheimnis bleiben.“.
Sie schmunzelte und nickte nur. Es war ihr durchaus bewusst, dass er ein Sturkopf sein kann und sie somit niemals die Antwort erwarten könnte.
„Okay, Sturkopf, wie du willst.“, begann Sie nun neckisch zu fragen, „Weswegen bist du hier und warum wolltest du mich hier alleine sprechen?“
Er bot ihr den Sitz an und stand vor dem Kamin. „Ja, du hast richtig geahnt“, begann er, „Ich habe was unbewusst angestellt und muss einen unvorstellbaren Preis bezahlen, der auch dir zu schaffen machen könnte.“ „Wie soll ich das verstehen?“, brachte die verwirrte Deedlit raus. „Kannst du dich noch an die Prüfung erinnern?“, fragte Tel’Aran. „Natürlich erinnere ich mich daran! Schliesslich wärst du da fast gestorben für diese doofe Glaubensprüfung!“, erwiderte Sie energisch. „Ja, ich war da unachtsam und überschätzte mich. Wie dem auch sei.“, Tel’Aran blickt in die Augen von Deedlit, „Ich habe es überlebt und musste damals noch ein Gelübde im Namen unseres Volkes abgeben.“ Er hustete kurz und zitierte den Text:
<< Ich, der Sohn von Tel’Xathur, Tel’Aran Rhiod, werde am heutigen Tag den Vertrag zwischen unseren Völkern beschliessen.
Wie einst durch das Blut meiner Linie besiegelt wurde, werde ich die auferlegten Pflichten für das Volk tragen. Die Prüfung der Aufnahme habe ich bestanden und werde als Vorbild meines Volkes dienen. Eure Pflichten, Traditionen und Probleme sind ab dem heutigen Tage die Meine und die unserer Völker.
Mein Leben und meine Stärke werde ich zum Wohle unserer neuen Gemeinschaft nutzen und jeder Bitte des Rates oder der Regierung folge leisten. Hiermit überreiche ich das Volk von Brittania an Euch weiter und ich hoffe, dass mein Gelübde in den Herzen meines Volkes weiter getragen wird.
So sei es ab dem heutigen Tag und wird es bis in die Ewigkeit sein.>>
Deedlit nickt nur und deutet mit einer Geste auf einen Kaffeekrug. Tel’Aran nickte nur und sie nahm sich eine Tasse voll Kaffee. „Ich kenne das Gelübde, doch was hat es damit auf sich?“, sprach sich nach einer kurzen Denkpause. Tel’Aran deutete auf ein Buch vor ihr. Es nannte sich „Die Grundlagen über den Lebensbaum“. „Lies dir die, mit Lesezeichen versetzen, Abschnitte durch. Danach werde ich dir erklären, was es damit auf sich hat“, erwiderte Tel’Aran und nahm sich selber nun etwas Wasser aus einem Krug gleich neben dem Kaffee. Sie blätterte im Buch und las die Passagen. Deedlit war nicht dumm und Tel’Aran erhoffte sich, dass jede weitere Erklärung unnötig werden würde, sobald sie alles gelesen hatte.
Sie legte das Buch bei Seite und blickt zu Tel’Aran. „Du willst mir nun kaum sagen, was ich denke oder?“, fragte sie ihn nun. Er zuckte die Schultern und seufzte leise. Sie sprach weiter, „Du wolltest doch nur meditieren gehen? Wie kommt es also, dass du anscheinend wen an einem Lebensbaum aufgeweckt hast?“. Tel’Aran lächelte und antwortete, „Bis auf ein Detail hast du richtig angenommen. Ich habe niemanden geweckt. Ich wurde von Somone aus der Trance gerissen.“ „Somone?!“, schreckte sie auf, „Wie soll das gehen? Wie kommst du an so einen Lebensbaum, den anscheinend nicht mal alle Ansässigen hier haben? Ich verstehe das nicht!“. Tel’Aran nahm Deedlit in die Arme und flüsterte ihr ins Ohr, „Ich wollte es genau so wenig wie du. Das Schicksal scheint mir meinen Weg aufgezwungen zu haben, obwohl ich nur dich jemals wirklich lieben kann.“ Tränen flossen ihr hinunter. Sie weinte sich an der Brust von Tel’Aran einige Minuten aus, bis sie sich wieder fassen konnte.
„Erzähl mir nun bitte die komplette Geschichte. Von Anfang an! Egal was du treibst, es endet immer in ein Chaos. Tollpatsch!“, sprach sie etwas wütend und trauernd aus.
Beide sassen am Tisch und er begann die Geschichte zu erzählen. Es vergingen einige Stunden und der Abend dämmerte bereits. Tel’Aran war gerade fertig mit der Geschichte, als es an der Türe klopfte. „Herein“, sprachen beide aus. Andris und Somone traten ein. „Ich hoffe ich störe nicht oder greife vor.“, begann Andris. „Ich bin gerade fertig mit der ganzen Geschichte. Deedlit will nun mal immer die ganze und detaillierte Erklärung.“, erwiderte Tel’Aran. „Ich habe Andris bereits aller erzählt. Ich hoffe es ist in deinem Interesse gewesen Tel’Aran?“, sprach nun Somone aus. Er nickte nur kurz. „Das Abendessen wäre nun bereit. Andris und Deedlit sind auch herzlich eingeladen. Ihr könnte sicher noch danach weiter reden, sollte noch etwas unklar sein.“. Deedlit lächelte kurz und antwortete, „Danke vielmals. Ich werde mich nur kurz etwas Frisch machen. Dieser Nachmittag hat an meinen Kräften gezerrt.“. „Ich zeig dir unser Gästeraum, Deedlit“, erwiderte Somone und die beiden gingen aus dem kleinen Raum raus. Andris trat kurz näher zu Tel’Aran und sprach etwas leise aus, „Ich weiss, wie du und meine Frau sich fühlen. Keiner von euch beiden hätte so etwas verdient. Nebenbei mach dir wegen mir keine Sorgen. Ich vertraue euch beiden und auch wenn Sie nun meine Frau ist, habt ihr ein Band, das stärker als alles andere ist. Ich respektiere diese Tatsache.“. Er klopfte auf die Schulter vom Elf und beide gingen in den Speisesaal.
Somone und Deedlit waren im Gästeraum alleine. „Es tut mir leid Deedlit!“, begann Somone. „Wofür? Du kannst doch nichts dafür.“, antwortete Deedlit gelassen, während sie mit Wasser ihr Gesicht wusch. „Aber“, wollte Somone aussprechen als Deedlit sie unterbrach, „Nichts aber! Wir waren nun lange Zeit Freundinnen und du weißt genau so wie ich, dass dies alleine Schicksal ist, dass dir, mir und Tel’Aran einen Strich durch unsere Pläne gemacht hat.“ Somone wirkt sehr bedrückt und bemerkt die Kette an Deedlit. „Das war also in der Schatulle, dass Tel’Aran so dringend haben wollte und anscheinend mit einem tödlichen Zauber geschützt hatte? Ich nehme an, sein Hochzeitsgeschenk an dich?“ Deedlit lächelte und nickte. Sie packte Somone’s Hand und sie begutachtete die Kette genauer. „Sie ist wunderschön verarbeitet, diese Wärme und das Bild. Ich habe noch nie so etwas gesehen. Woher hat Tel’Aran diese Kette?“ Deedlit lächelte, „Die Kette hat er selber gemacht. Du weisst ja, dass er Schmied ist. Er kann weitaus mehr schmieden als den meisten bewusst ist. Er ist darin sehr talentiert.“ Somone blickte etwas traurig. „Deedlit ich will es nur ungern zugeben, aber als ich Tel’Aran dort am Baum angetroffen habe.“, begann Somone sehr betrübt zu reden, „Habe ich mich wohl in ihn verliebt. Ich fühle mich wie eine Verräterin dir gegenüber. Was mich aber am meisten bedrückt ist wohl die Tatsache, dass Tel’Aran nie meine Liebe erwidern wird. Ich habe bemerkt, dass er dich auf Ewig liebt. Da ist kein Platz für mich und trotzdem müssen wir die Traditionen wahren.“ Deedlit griff nach Somone und lächelte. „Tel’Aran ist ein Elf für sich. Auch mir hat es Jahre gekostet, bis er begann seine Gefühle mir gegenüber zu zeigen. Die Zeit wird es zeigen. Gib ihm und dir eine Chance und denk nicht an mich. Ich habe zuerst einen Verrat getan, indem ich Andris geheiratet habe. Ich wünsche nur das Beste für die Zukunft, für uns alle.“ „Ich hoffe wir können Freundinnen bleiben. So wir sollten gehen, die anderen warten sicher auf uns im Speisesaal“, antwortete Somone etwas erleichtert. Beide gingen nun in den Speisessaal wo bereits die anderen Gäste warteten.