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- Written by Adrian von Allmen
- Category: Buch 3
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Der Abend brach an und die letzten Strahlen der Sonne verabschiedeten sich. Tel’Aran schmiedete gerade an dem seltsamen Metall und blickte nur kurz zur Sonne. Schon in weniger als zwei Wochen wird die Hochzeit sein. Mithril war wirklich aussergewöhnlich. Man musste genau die richtige Temperatur erwischen, damit es schmiedbar war. Zu Kalt oder zu Warm und es war so hart wie Granit. Einige der Schmiedehämmer sind Tel’Aran zu Bruch gegangen und er zweifelte bereits an seiner Fertigkeit. Er war sich jedoch sicher, dass er bis zur Morgensonne endlich die Kette fertig gestellt haben wird.
Der neue Tag brach an und Tel’Aran wisch sich zufrieden den Schweiss von seiner Stirn. Die Kette war endlich fertig und das Metall war weitaus interessanter als er es annehmen wollte. Die Kette strömt eine beruhigende Wärme aus, welche durch das Sanfte Gefühl des Mithril’s unterstützt wurde. Sie war sehr detailreich verarbeitet. Auf den ersten Blick schien sie sehr schlicht, doch der Elf wusste mit den Schmiedwerkzeugen umzugehen. In den Rubin war ein Schutzzauber versehen, welcher Zusätzlich das Bild von zwei jungen Elfen darstellte. Es war eine Erinnerung von Tel’Aran mit Deedlit, das sie immer an die Freundschaft erinnern soll. Der Rubin war in einem Art Medaillon eingearbeitet. Die ganze Kette war aus Mithril, wurde aber vom Elfen noch vergoldet. Je nach Licht und Tageszeit konnte man sich nicht sicher sein, ob es aus Gold oder Silber zu sein schien. Es waren einige Muster eingeschliffen, welche in der alten Sprache diverse Segen bedeuteten. Sie war dezent und hatte trotzdem was Prunkvolles. Tel’Aran war sehr stolz auf sein Werk. Nein es war mehr als nur ein Werk. Es war sein Lebens- und Meisterwerk, das seine Liebe und Treue zu Deedlit in Perfektion verkörpern soll.
Die Sonne stand bereits hoch und Tel’Aran erwachte gerade von seinem Schlaf. Die Kette war bereits gut verpackt und er überlegte sich nach dem Essen, was er nun tun soll. Er wollte die nächsten Tage etwas abschalten und nachdenken. Nach einer Weile blickte er auf sein erstes Schwert, das er damals mit Noverus geschmiedet hatte. „Meditation ist wichtig für deine Seele Tel’Aran. Deine geschmiedeten Gegenstände, deine Entscheidungen, alles was du tust, sind Spiegelungen seiner Seele. Nur wenn deine Seele rein ist, kannst du deine Ziele erreichen.“, erinnerte sich Tel’Aran an die Worte von Noverus. Es war schon sicher mehr als zwanzig Jahre her, als der Elf das letzte Mal meditiert hatte. Es war somit beschlossen. Er würde die nächsten 3-4 Tage meditieren und sich danach für die Hochzeit von Deedlit vorbereiten.
Nachdem er alles vorbereitet hatte und noch zur Sicherheit einen Hinweis an sein Haus anbrachte, ging er Richtung Berge. Er hatte genug Rationen für eine Woche und war fest entschlossen auf dem Berg, der etwa eineinhalb Tage von hier entfernt war zu erreichen und dort seine Gedanken zu ordnen. Er wusste den Weg nicht, weswegen er sich entschloss dem Flussaufwärts entlang zu bewegen. Die Quelle des Flusses Emgul war in dem Gebirge.
Es begann seine Reise am Abend, was vielleicht unklug war, aber er fühlte sich nicht müde und brach deswegen zu der ungünstigen Zeit. Am Fluss war keine belebte Strasse oder Pfad zu erkennen. Er war somit alleine und wanderte im Mondlicht zu seinem Ziel. Viele Gedanken durchflogen ihn dabei. Der Schiffbruch, die Prüfung und auch die ersten Differenzen mit Deedlit und ihren Eltern. Die Zeit vergeht zu schnell und für die Elfen existiert sie eigentlich fast gar nicht. Doch Tel’Aran wurde von Noverus grossgezogen und lehrte somit die Zeit zu schätzen. All die Erinnerungen, all die Zeit in Freude und Trauer. Die Nachtgeräusche erfüllten die klare Nacht und Tel’Aran blickte Gedankenversunken in den Himmel hinauf. Hat er alles richtig gemacht? Wären seine Eltern stolz auf ihn? Er fragte sich soviel und wusste einfach keine Antworten. Er ging seinen Weg, wie es ihm Noverus lehrte, doch war es der richtige Weg?
Plötzlich hörte er eine Stimme, die ihm vertraut erschien. „Mein Freund, du hast Sorgen und Zweifel. Ich spüre es und du kannst es nicht verleugnen.“, sprach die Stimme. Tel’Aran konnte den Standort nicht ermitteln und blickte zweifelnd um sich. „Du suchst mich?“, sprach die Stimme nun im lachhaften und fast höhnischen Tonfall, „Ich bin hier drüben. Die Eiche neben dem Fluss. Komm doch näher. Wir beide haben vieles Gemeinscham und vielleicht können wir zusammen einige interessanten Stunden der Gemeinsamkeit geniessen.“
Tel’Aran sah die Eiche. Sie war riesig und wirkte wie ein Wächter des Flusses. Mehrere Äste und dessen Laubwerk überdeckten den Fluss. Weit und breit war sonst nirgends ein Baum zu sehen. Es wirkte, als ob der Baum die Einsamkeit bewusst gewählt hätte. Keine Spur eines ehemaligen Waldes oder eines künstlich gepflanzten Baumes. Er entschloss sich der seltsamen Einladung nach zu gehen. Er legte sich an den Baum und musterte die Äste und Blätter, welche sich bewegten. „Träume ich, oder kannst du wahrlich sprechen?“, begann der Elf nun das Gespräch. „Wir Bäume konnten schon immer sprechen, doch die wenigsten hören uns zu. Viele erwarten von uns, dass wir sie schützen, behüten und die Sorgen derer aufnehmen.“, begann die Eiche zu sprechen, „Aus diesem Grund bin ich hier. Weit weg von meinen Verwandten. Nur selten verirren sich Elfen in meine Gegend. Meistens kommen sie her und bitten um einen Schwur, den ich verweigere.“. „Einen Schwur?“, fragte Tel’Aran nach. „Ach du bist nicht deswegen hier?!“, antwortete die Eiche überrascht, „Das ist ungewöhnlich. Was suchst du denn hier, wenn du nicht wegen des Schwures hier bist?“. Tel’Aran erzählte der Eiche seinen Plan für die Meditation und so entwickelte sich ein langes Gespräch. Sie haben sich diverse Geschichten erzählt und die Eiche gab auch Ratschläge und Meinungen zur Sprache. Die Sonne ging bereits auf und Tel’Aran wirkte plötzlich etwas müde. „Mein Elf Tel’Aran ich danke dir für dieses schöne und interessante Gespräch. Es war lange her, dass ich jemanden wie dich kennen lernen durfte. Du bist müde und solltest dich etwas ausruhen. Ich werde auch über dich wachen.“, sprach die Eiche und legte einige Äste um Tel’Aran wie eine Decke. Er war zu müde um noch zu sprechen und nickte nur.
„Was zum“ schrie eine weibliche Stimme und Tel’Aran öffnete seine Augen nur langsam. Er hatte das Gefühl, als ob er nur einige Minuten eingeschlafen war. Er fühlte sich sehr entspannt und gestärkt und seine Augen wurden endlich klarer. Eine Elfe in einem Reisegewand stand vor ihm und blickte überrascht. Tel’Aran packte instinktiv an der Stelle wo normalweise eine Decke wäre und hatte nur einige Laubblätter in seinen Händen. Er blickte hinunter und war erleichtert, dass seine Kleider noch an waren, doch sie wirkten etwas verwittert. „Was ist denn meine edle Frau?“, sprach Tel’Aran noch etwas schläfrig. „Du, du, du bist doch“, stotterte das Mädchen nun plötzlich leicht errötet, „Tel’Aran Rhiod?!“. Er wirkte etwas überrascht und rappelte sich hoch und verbeugte sich förmlich. „Ja das bin ich.“, begann er höflich zu reden, „Ich möchte nicht unhöflich klingen, aber wieso kennt ihr meinen Namen? Ich kann mich an euch nicht erinnern.“ Bevor Tel’Aran wusste was geschah, rannte sie in einem Eiltempo Richtung Stadt. Der Elf blickte verwirrt und musterte sich. Seine Kleidung wirkte etwas blass und sein Essen schien verdorben zu sein. Er wollte mit der Eiche reden, doch die wirkte etwas anders. Die Eiche hatte nun einen goldenen Glanz. Die Blätter waren immer noch grün, aber an einigen Stellen waren Goldene Knospen zu erkennen. Das Efeu, welches am Baum hing hatte einen silbernen Touch. Selbst das Wasser spiegelte sich golden im Schatten der Eiche. Die Eiche wollte nicht antworten. Er beschloss seine Reise abzusagen und ging Richtung Stadt. Er wollte wissen, was geschehen ist und wieso dieses, ausgesprochen hübsche, Mädchen so panisch weglief.
Es war gerade Nachmittag, als er in die Stadt gelangte. Einige Leute blickten ihn an und tuschelten etwas. Er wunderte sich und war immer unsicherer was geschehen war. Ehe er es sich versah standen zwei Stadtwachen vor ihm und baten freundlich, dass er ihnen folgen solle. Tel’Aran folgte den Wachen bis vor dem Privathauses des Stadthalter, namens Eisglanz. Er wurde in einen schlichten aber schönen Raum gebeten zu warten. Es kam eine Frau hinein, welche diverse Tränke und Essen mit sich trug. Sie war schön gekleidet. Das erstaunen des Elfes wurde aber grösser, als er erkannte, dass es sich um das Mädchen vom Morgen handelte. „Du, bist doch das Mädchen von vorhin?“, brach es aus Tel’Aran hinaus. „Ja es ist meine Tochter“, erklang es hinter dem Mädchen und Tel’Aran erkannte den Stadthalter. Es vergingen einige Minuten des Schweigens und das Mädchen servierte etwas Speis und Trank und setzte sich neben den Stadthalter. „Herr Rhiod, das ist meine Tochter Somone.“, begann der Stadthalter. „Verzeiht mein Auftreten heute morgen, aber ich war etwas unvorbereitet und teilweise ge“, wollte Somone sprechen, als ihr Vater zum schweigen deutete. „Herr Rhiod, was wisst ihr über den Schwur des Lebensbaumes?“, erkundigte sich der Stadthalter. Tel’Aran zuckte mit den Schultern und sprach gelassen: „Nichts, was hat es mit dem auf sich. Habe ich irgendetwas getan, was gegen die Gesetzte wäre? Ich verstehe nicht, weswegen dies alles nun geschieht.“. Der Stadthalter wirkte etwas betrübt und stand auf. Er ging zu einem Bücherregal und nahm ein altes Buch hervor. Er öffnete es und blätterte einige Seiten und reichte es Tel’Aran. Er nahm es dankend entgegen und las die Seiten. Er seufzte plötzlich leise, blickte zum Stadthalter und sprach dann: „Wenn ich das nun richtig verstehe, war die Eiche am Fluss ein Lebensbaum? Ich war vielleicht etwa einige Minuten unter dem Baum, bevor mich eure Tochter weckte.“ Der Stadthalter blickte skeptisch und fragte dann: „Welchen Tag haben wir heute?“ Tel’Aran lachte laut und antwortete gelassen: „Heute ist Donnerstag. In 10 Tagen wird Deedlit vermählt.“. Das Mädchen wurde bleich und der Stadthalter wirkte noch um einiges betrübter. „Herr Rhiod, ich schätze ich muss euch etwas mitteilen.“, begann der Stadthalter, „Die Hochzeit von Deedlit und Andris war vor mehr als zwei Wochen. Wir haben heute Montag.“. Tel’Aran blickte ungläubig und verzweifelt. Er hatte zwei Wochen unter dem Baum geschlafen? Er hat die Hochzeit von Deedlit verpasst! Wie konnte so was nur geschehen!
Es war bereits etwas spät und Tel’Aran wollte dringend nach Hause und das Geschenk holen und zu Deedlit. Doch der Stadthalter machte ihm klar, dass er vorerst das Haus nicht verlassen darf. Es müssen einige Dinge geklärt werden, welche ihn und seine Zukunft betreffen. Widerstrebend und mit etwas Nachdruck der Hauswächter entschloss er sich, die Anweisungen des Stadthalters zu beugen.